Rooted in Heights, 2023
Verschiedene Materialien
Ca. 150 x 175 cm
***English below***
Eskalierendes Artensterben, Gletscherschmelze, Hitze, Wassermangel
Rooted in Heights zeigt, wie der Klimawandel als materielles und inneres Driften verstanden werden kann: als das allmähliche Nachlassen von Strukturen und als die innere Tendenz, dabei wegzuschauen. Die Berglandschaft liegt geschichtet vor uns: unten eine dichte, geerdete Vegetation, darüber ein fein gewebter Himmel. Wie bei ökologischen Kipppunkten hängt das Gleichgewicht des gesamten Werks von der Spannung der Kettfäden ab: wird nur einer durchgeschnitten, beginnen Teile zusammenzusinken. Mit der Zeit gibt das Werk langsam unter seinem eigenen Gewicht nach und spiegelt die Prozesse, durch die Ökosysteme zerfallen. Diese latente Zerbrechlichkeit offenbart auch, wie leicht wir Warnzeichen übersehen, bis es zu spät ist.
Der Blick der Betrachter*innen ruht zunächst auf dem festen, verwurzelten unteren Abschnitt, bevor er sich nach oben in das immer feinere Gewebe bewegt: von geerdeter Wahrnehmung zu unruhiger Distanz. Die Natur kann sich nach solchen Zusammenbrüchen vielleicht wieder erholen, die Menschheit jedoch riskiert schwerwiegende Folgen, wenn sie sich zu weit vom ökologischen Gleichgewicht entfernt.
Das Werk ist nahezu vollständig aus recycelten Fasern gefertigt (z.B. eine alte Bluse, oder entsorgte Polsterproben), eine Anspielung auf die globale Textilindustrie, eine der umweltschädlichsten und ausbeuterischsten Branchen, die entscheidend zu den Kräften beiträgt, die diese Entwicklungen in Gang halten.
In Rückbezug auf den Drift offenbart Rooted in Heights, dass sowohl materielle Strukturen als auch menschliche Aufmerksamkeit langsamen, kaum wahrnehmbaren Bewegungen unterliegen. So wird Drift nicht nur als Prozess sichtbar, sondern zu einem zentralen Thema des Werks – ein leises Verschieben, sowohl der materiellen Gegebenheiten als auch des Blicks der Betrachter*innen.
***English version***
Escalating species extiction, melting glaciers, scorching heat and water shortage
Rooted in Heights examines how the changing climate can be understood as a material and internal drift: as the gradual slackening of structures, and as the internal tendency to look away. The mountain landscape is woven with a dense, grounded layer of vegetation below and a finely woven sky above. Like ecological tipping points, the entire structure depends on the tension of each warp thread: the break of a single thread would destabilize the work. Over time, the piece would slowly give way under its own weight, echoing the shifts through which ecosystems collapse. This hidden fragility also speaks to how easily we ignore early signs of crisis until it’s already happening. The viewer’s gaze first rests on the grounded lower section before moving upward into the increasingly fine weave, echoing the psychological movement from rooted awareness to uneasy distance.
Nature may eventually re-root itself after such breakdowns. Humanity, however, might not survive the consequences of moving too far from ecological balance.
The work is woven almost entirely from recycled fibers, including a torn blouse and discarded upholstery samples—a nod to the global textile industry, one of the most environmentally damaging and exploitative industries, deeply implicated in the forces that keep these processes in motion.
Returning to the concept introduced at the outset, the piece reveals that both material structures and human attention are subject to slow, imperceptible movements, making drift not just a phenomenon but a central theme of the work.